
03.07.2025: Arbeitsauftrag
Das Haus im Wald
Was müssen wir machen?
Wir haben einen neuen Auftrag bekommen: Ein Kunde ist in ein Haus im Wald gezogen. Jetzt möchte er seine Garage renovieren und elektrisch ausstatten.
Der Kunde hat genaue Wünsche, was er alles in der Garage (und außerhalb) haben möchte – zum Beispiel Licht, Steckdosen, einen Bewegungsmelder oder eine Ladestation. Seine Wunschliste findet ihr auf dem Arbeitsblatt.
Unser Chef hat uns gebeten, ihm bei der Planung zu helfen. Wir sollen herausfinden, welche Bauteile wir für die Wünsche des Kunden brauchen – also z. B. welche Leitungen, Steckdosen, Schalter oder Sicherungen.
Hilfe – Auswahl von Leitungen
Bevor man eine elektrische Leitung auswählt, sollte man sich immer fragen, welchen Belastungen und Umgebungsbedingungen sie standhalten muss. Denn je nach Einsatzort und Verlegeart gelten unterschiedliche Anforderungen. Die falsche Wahl kann zu Funktionsstörungen, Sicherheitsrisiken oder vorzeitigem Verschleiß führen.
Stelle dir daher vor der Auswahl folgende zentrale Fragen:
- Wird die Leitung im Innen- oder Außenbereich verlegt?
→ Muss sie z. B. gegen Feuchtigkeit, Kälte oder Witterung geschützt sein? - Ist die Leitung direktem Sonnenlicht ausgesetzt?
→ Wird eine UV-Beständigkeit benötigt? - Wird die Leitung im Erdreich, in Beton oder unter Putz verlegt?
→ Welche Umgebungsbedingungen wirken dauerhaft auf sie ein? - Muss die Leitung mechanisch belastbar sein?
→ Wird sie z. B. betreten, gezogen, gedrückt oder anderweitig beansprucht? - Wird die Leitung fest verlegt oder ist sie regelmäßig in Bewegung?
→ Muss sie besonders flexibel oder abriebfest sein? - Gibt es besondere chemische oder thermische Einflüsse?
→ Kommt die Leitung mit Öl, Lösungsmitteln oder Hitze in Kontakt?
Diese Fragen helfen dir, die technischen Anforderungen klar einzugrenzen. Erst wenn du diese Bedingungen kennst, kannst du eine passende Leitung auswählen, die sicher und zuverlässig funktioniert.
Leitungen und Kabel – Übersicht
Es gibt verschiedene Kabelarten, je nachdem, wo und wie man sie verwenden will.
NYM-J ist ein ganz normales Installationskabel, das man oft in Häusern sieht. Es wird in der Wand oder auf der Wand verlegt, also im Innenbereich. Man darf es nicht im Garten oder in der Erde verlegen, weil es nicht wetterfest ist.
NYY-J sieht fast gleich aus wie NYM-J, aber es hat einen dickeren, stabileren Mantel. Dadurch ist es für draußen und für die Erde geeignet. Man benutzt es zum Beispiel, wenn man Strom ins Gartenhaus oder zur Garage legen will.
H07RN-F ist ein flexibles Gummikabel, das sehr robust ist. Man kann es auch draußen und auf der Baustelle benutzen. Es ist gut gegen Wasser, Öl und Sonne geschützt. Es wird oft für Maschinen oder Verlängerungskabel verwendet.
SiHF-J (Silikonleitungen) benutzt man dort, wo es sehr heiß werden kann – zum Beispiel in Öfen oder Maschinen. Sie halten hohe Temperaturen gut aus, sind aber nicht so stabil wie NYY oder H07RN.
Hilfe – Auswahl von Leitungsschutzschalter
Der Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) schützt elektrische Leitungen vor Überlast und Kurzschluss. Damit er richtig funktioniert und normgerecht eingesetzt wird, müssen verschiedene Dinge beachtet werden: die passende Charakteristik, der richtige Nennstrom (Ampere-Wert) und die Anzahl der Pole.
Stelle dir zur Auswahl folgende zentrale Fragen:
- Wie viel Strom soll durch die Leitung fließen?
→ Der LS-Schalter muss zum Betriebsstrom passen. Typische Werte sind z. B. 10 A oder 16 A. Wichtig: Der Nennstrom des LS darf den zulässigen Strom der Leitung (abhängig von Querschnitt & Verlegeart) nicht überschreiten. - Welche Charakteristik ist geeignet – B, C oder D?
→ Die Charakteristik bestimmt, wie empfindlich der LS-Schalter auf kurzzeitige Stromspitzen reagiert:- B: löst bei niedrigen Strömen schnell aus – für normale Verbraucher wie Licht, Steckdosen.
- C: träger bei Einschaltstrom – geeignet für Geräte mit höherem Anlaufstrom wie Motoren.
- D: sehr träge – für Spezialfälle wie Transformatoren oder Maschinen mit hohen Einschaltströmen.
- Wie viele Leiter müssen abgeschaltet werden?
→ Die Anzahl der Pole richtet sich danach, ob es sich um eine einphasige oder dreiphasige Anlage handelt:- 1-polig: für einfache 230V-Stromkreise (L + gemeinsamer N).
- 2-polig: für 230V-Stromkreise, bei denen auch der Neutralleiter abgeschaltet werden soll.
- 3-polig: für Drehstromverbraucher (400V, z. B. Herd, Motoren).
- 4-polig: für Drehstrom mit neutralleiterführender Abschaltung.
Nur wenn alle diese Punkte richtig auf die jeweilige Installation abgestimmt sind, schützt der LS-Schalter zuverlässig vor Schäden durch Überlast oder Kurzschluss.
Hilfe – Verlegearten
Die Verlegeart beeinflusst maßgeblich, wie stark eine Leitung belastet werden darf. Je nachdem, wo und wie die Leitung verlegt wird – also ob in einem Rohr, im Kabelkanal, im Erdreich oder frei in Luft –, muss die Strombelastbarkeit angepasst und der passende Leitungsquerschnitt sowie Leitungsschutz gewählt werden.
Verlegeart A1 – Verlegung in wärmegedämmten Wänden
Die Leitung verläuft als Aderleitung in einem Elektroinstallationsrohr, das vollständig von Wärmedämmung (z. B. Mineralwolle, Styropor) umgeben ist.
→ Sehr schlechte Wärmeabfuhr, höchste thermische Belastung.
→ Gilt als ungünstigste Verlegeart – Strombelastbarkeit muss stark reduziert werden.
Verlegeart A2 – Verlegung in wärmegedämmten Wänden
Ein mehradriges Kabel oder eine ummantelte Installationsleitung wird in einem Elektroinstallationsrohr verlegt, das sich ebenfalls in einer wärmegedämmten Wand befindet.
→ Wärmeabfuhr etwas besser als bei A1, aber weiterhin stark eingeschränkt.
Verlegeart B1 – Verlegung in Elektroinstallationsrohren auf der Wand
Aderleitungen werden in einem Rohr verlegt, das auf der Wand aufliegt.
→ Die Wand kann teilweise Wärme abführen, daher etwas bessere Kühlung als bei A1/A2.
Verlegeart B2 – Verlegung in Elektroinstallationsrohren
Ein mehradriges Kabel oder eine mehradrige Installationsleitung wird in einem Elektroinstallationsrohr auf der Wand geführt.
→ Wärmeabgabe vergleichbar mit B1 – aber eingeschränkter als bei freier Verlegung.
Verlegeart C – Verlegung auf einer Wand
Ein- oder mehradrige Kabel bzw. Installationsleitungen werden direkt auf der Wand befestigt, ohne Rohr oder Dämmung.
→ Sehr gute Wärmeabfuhr, da die Leitung frei liegt.
→ Gilt als thermisch günstigste Standardverlegung.
Verlegeart D – Verlegung in Erde
Mehradriges Kabel wird im Elektroinstallationsrohr oder Kabelschacht im Erdreich verlegt.
→ Wärmeabfuhr hängt stark von Erdfeuchte, Verlegetiefe und Bettung ab (Sand, Kies etc.).
→ Leitung muss für Erdverlegung geeignet sein (z. B. NYY-J).